So will Thomas Reis den VfL Bochum wieder flottkriegen

So will Thomas Reis den VfL Bochum wieder flottkriegen

September 9, 2019 2 Von Carsten Schulte

Direkt nach der Vorstellung am Montagmorgen ging es für den neuen VfL-Trainer Thomas Reis auch schon raus auf den Trainingsplatz. Schließlich steht das Spiel gegen Dynamo Dresden an. Sechs Tage noch, viel zu tun.

“Ich muss jetzt die Mannschaft kennenlernen, die einzelnen Charaktere”, so Reis am Montag. Okay, so ganz viel Neuland dürfte es nicht sein, denn der 45-Jährige hat die Tage bis heute ganz gut genutzt. Er sah sich die bisherigen Spiele an und bildete sich einen ersten Eindruck. Aber natürlich werden erst die jetzt geplanten Einzelgespräche und die Trainingseinheiten einen genaueren Aufschlus darüber geben, was zu tun ist.

Immerhin glaubt der Trainer, dass in der Mannschaft eben mehr steckt als das, was die Tabelle derzeit sagt. “Wir gehören da nicht hin. Müssen aber jetzt kleine Schritte machen und der Mannschaft wieder Selbstvertrauen einhauchen.”

Ein Plan, dessen Gelingen natürlich befördert würde durch einen Heimsieg gegen Dynamo, keine Frage. “Die Mentalität steckt in der Mannschaft, das ist sicher.” Reis verwies auf die naheliegenden Beispiele Bielefeld und Wiesbaden. Zwei Partien, in denen der VfL Rückstände noch in Punktgewinne drehten. “Das ist nicht selbstverständlich”, so Reis. Aber jetzt müsse man wieder Ordnung in die Mannschaft bringen. “Der eine oder andere will mir da etwas zu viel und überall aushelfen. Aber mir ist es lieber, dass die Spieler ihre Positionen halten.”

Robin Dutt selbst hatte in seiner schon fast legendären “Abschiedsrede” die Frage aufgeworfen, ob man sich vielleicht hier und dort in Spielern getäuscht habe. Davon wollte Reis nun nichts wissen. “Die Mannschaft ist stark genug.”

Jetzt muss die Spielidee von Reis dazukommen. Mehr agieren als reagieren. Kompakt stehen. Verlässlichkeit im Positionsspiel. “Das ist das A und O.” Der VfL will nicht den Gegner das Spiel gestalten lassen, sondern den Gegner zu Fehlern zwingen. Dabei dürften die Spieler gerne auch Fehler machen. “Allerdings nicht so gerne defensiv …”

Reis tritt zunächst mit dem bereits vorhandenen Team an – auch mit Co- und Interimstrainer Heiko Butscher, den er ja selbst noch kennt. “Jeder bekommt die Chance, mit mir zu arbeiten.” Das gilt ausdrücklich nicht nur für den “Staff”, wie es neudeutsch heißt, sondern auch für einen Spieler wie Celozzi (wir berichteten).

Mit dem Team will Reis “offen umgehen”. Es sei jetzt wichtig, das Team “abzuholen”. “Es ist wichtig, dass die Spieler mir folgen. Ich will mich nicht verstecken und ich bin auch kein Feuerwehrmann.” Er wolle Spieler und Teams entwickeln – eine Aufgabe, die ihm zuletzt in Wolfsburg durchaus gelang. Reis nutzte die üblichen Schlagworte wie Respekt und Loyalität. Worte wie Floskeln, aber in der Realität eben in einem Team aus Profifußballern wichtig. Mentalität schlägt individuelle Qualität – nicht vergessen. “Wenn ich das vorlebe, kann ich das auch von den Spielern verlangen.”

Ein positiver (Neu-)Start gegen Dresden wäre da hilfreich, aber Reis schaut natürlich über den Tag hinaus. “Wir wollen in den ersten ein, zwei Wochen ein gutes Klima schaffen. Wollen eine Hierarchie im Team bekommen.”

Mit Blick auf das aktuelle Team betont Reis: “Es gibt in jeder Mannschaft Entwicklungspotentzial. Es wäre ja schlimm, wenn man sie nicht weiterentwickeln könnte. Und manchmal geht es nur um Kleinigkeiten.”

Kleine Fehler, die in der Summe die Spiele kaputtgemacht haben. Jetzt bekommen alle eine neue Chance.